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Geschichten

Elke Erb

Schlaraffenland

Ich möchte kleine Champignons essen, kleine braune Champignons, um einen netten runden gelben Berg Kartoffelbrei verteilt, hinten rechts Finge ich an, als Nachtisch bei den Tellern stünden Schälchen voll dunkler Beeren auf dem Weiß in Weiß bestickten Tischtuch, ein eingesunkenes Kreuz noch von gebratenen Pilzen quer über das Püree, und das viele Mittagsläuten draußen, wie stünden die orangenen Kaiserkronen steif vor der gekalkten Hauswand, die Klinke klinkte auf, wir wären angekommen.

Aus: "GUTACHTEN", Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1975


Jochen Kurth

Von Bärentatzen, Eselsohren und Strubbelköpfen

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Pilze oft recht kurios klingende Namen haben? So wurden manche Pilze nach den Standorten oder Substraten benannt, auf denen sie wachsen, wie Ackerling, Birkenröhrling, Stadt-, Wald- oder Wiesenegerling, Kiefern- oder Fichtenreizker, Dünenstinkmorchel, Heideschleimfuß, Kuhfladenträuschling, Moorröhrling, Nadelholzhäubling, Pappelschüppling, Stemmooshäubling, Ulmenrasling. Aber auch besondere Farben, Formen oder andere Charakteristika liegen manchmal der Namensgebung zugrunde, wie bei Bärentatze, Gallenröhrling, Butterpilz, Erdlederpilz, Marzipanfälbling, Glockenmorchel, Goldfellschüppling. Chromgelber Graustieltäubling, Totentrompete, Knoblauchpilz, Lila Dickfuß, Rußkopf, Samthäubchen, Gelbgestiefelter Schleimkopf, Camembert-Täubling. Und dann gibt es Pilze, deren Namen schon so "giftig" klingen, dass sie regelrecht abschreckend wirken (Bauchwehkoralle, Gifthautkopf, Giftschirmling, Hexenpilz, Satanspilz, Speiteufel). Jedoch lässt sich keinesfalls vom Namen einfach auf Giftigkeit respektive auf Ungiftigkeit schließen, wie der Hexenpilz zeigt! Lustige Vergleiche gibt es bei Pilznamen natürlich auch. Wie finden Sie Bischofsmütze, Bocksdickfuß, Dungkahlkopf, Eselsohr, Fette Henne, Gallertiger Zitterzahn, Gurkenschnitzling, Haarzunge, Herkuleskeule, Hundsrute, Blauer Klumpfuß, Schneckenförmiger Öhrling, Ohrlöffel, Plisseeröcken, Säufernase, Schafeuter, Strubbelkopf oder Stummelfuß? Die Frau von Linne fand für einen Pilz, den ihr Mann nach Hause brachte, einen etwas "unanständigen", aber treffenden Vergleich. Sie sagte zur Stinkmorchel, sie sehe aus wie ein "schamloses, männliches Glied". Linne taufte ihn in seiner Systematik "Phallus impudicus". Wie schön, wenn bei aller Wissenschaftlichkeit der Humor nicht verloren geht!

Aus: "Pilze", Verlag für die Frau Leipzig 1985